Blasen - Tipps und Tricks von Pilgino

Blasen - Tipps und Tricks von Pilgino


Blasen - Tipps und Tricks von Pilgino

Blasen sind ein leider nicht immer zu verhinderndes Übel des Pilgerns. Eine große, womöglich noch entzündete Fußblase kann einem den ganzen Jakobsweg vermiesen und evtl. sogar zu einigen Tagen Pause zwingen oder auch zum Abbruch des Pilgerns führen.


Vorbeugen (Ausrüstung)

Entsprechend wichtig ist es, die Blasen möglichst schon im Vorfeld zu verhindern.

Die Wanderschuhe sollten gut eingelaufen sein und in den Tagen vor dem Beginn des Pilgerns möglichst viel getragen werden. Der Fuß kann so an den wichtigen Stellen Hornhaut bilden. Sollten Sie die Wanderschuhe neu gekauft haben, gilt dies natürlich umso mehr: Laufen Sie die Schuhe möglichst intensiv ein. (Wanderschuhe kaufen Sie am besten im Fachgeschäft. Dort kann man die Schuhe normalerweise auch einen Tag mit nach Hause nehmen und im Haus längere Zeit ausprobieren, ob sie auch wirklich passen.)

Sehr hilfreich sind auch gute Wandersocken, die an den besonders belasteten Fußbereichen extra gepolstert sind und durch moderne Materialien den Schweiß schnell vom Fuß wegtransportieren. Vom Schweiß und anderer Feuchtigkeit (Regen, Fußbad im Fluss beim Pilgern) aufgeweichte Füße bilden viel schneller Blasen aus. Einige Pilger tragen auch unter den normalen Socken Nylonstrümpfe, um so die Reibung (Hauptursache für Blasen) möglichst zu verhindern oder auf den Bereich zwischen Socke und Strumpf zu verlagern.

Immer mehr Pilger tragen inzwischen auf einfach zu gehenden Strecken auch Wander- oder Trekking-Sandalen. Bei diesen bleiben (bei gutem Wetter) die Füße trocken und vom Wanderstiefel malträtierte Stellen werden entlastet. Die Trekking-Sandalen sollten allerdings höherwertig (belastbar) sein und dem Fuß guten Halt bieten (nicht ganz billig).


Vorbeugen (beim Pilgern auf dem Jakobsweg)

Sehr gute Erfahrungen gibt es damit, die Füße VOR dem Pilgern (morgens) mit einer Fußsalbe (z.B. Hirschtalg mit Aloe Vera) einzucremen. Hierbei besonders auf die „gefährdeten“ Stellen (Hacke, Fußsohle mit beiden Seiten, Zehen und Zehenzwischenräume) achten! Durch die Fußsalbe wird die Reibung verhindert, und meistens riecht sie auch gut.

Beim Pilgern sollte man gut auf evtl. Zwicken am Fuß achten. Beim ersten Anzeichen sofort anhalten, den Fuß aus dem Wanderschuh holen und trocknen und dann die „Zwickstelle“ gut mit Pflaster abkleben. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass das Pflaster glatt aufliegt und keine Falten wirft (evtl. Klebefalten mit einer kleinen Schere abschneiden).

Gelegentliches Ausziehen der Wanderschuhe (auch ohne Zwicken) in der Pause ist auch ganz hilfreich: Trockene Füße bekommen weniger schnell Blasen!


Blasenbehandlung

Ist es dann doch geschehen, Blasen möglichst bald behandeln.

Kleine, noch geschlossene Blasen in den oberen Hautschichten werden mit Nadel und Faden und Pflaster behandelt. Die Haut um die Blase möglichst desinfizieren (Alkoholpads oder Desinfektionsspray), ebenso die behandelnden Finger und eine schon präparierte Nähnadel mit eingefädeltem Faden (den möglichst auch desinfizieren). Dann die Nadel mit dem Faden von einer Seite zu anderen durch die Blase stechen und den Faden einige Zentimeter hindurchziehen. Anschließend die Nadel entfernen und den Faden in der Blase lassen. Hierdurch setzen sich die Löcher in der Blase nicht mit Wundflüssigkeit zu und neu entstehende Flüssigkeit wird nicht bei jedem Schritt weiter zwischen die Hautschichten gepresst, was die Blase weiter wachsen lassen würde. Nach dem Durchziehen des Fadens die Blase und Umgebung mit Pflaster abkleben (verhindert neben einer Infektion auch das Rausrutschen des Fadens). In der Regel ist eine solcherart behandelte Blase nach zwei Tagen eingetrocknet und bereitet dann nur noch geringe Schwierigkeiten.

Größere, noch geschlossene Blasen in den oberen Hautschichten werden im Prinzip gleich behandelt. Evtl. ist es sinnvoll, zwei Fäden im Kreuz hindurchzu ziehen. Beim Abkleben der Blasen ist darauf zu achten, dass die Klebefläche des Pflasters nicht auf der (losen) Blasenhaut klebt. Beim Abziehen des Pflasters reißt man so evtl. die Haut mit ab und öffnet damit Infektionen „Tür und Tor“. In jedem Fall sollte man möglichst die Haut über der Blase erhalten und nicht entfernen. Bei wirklich großen Blasen kann (nach dem Fadenlegen) auch eine Abdeckung durch eine (zugeschnittene) Wundauflage sinnvoll sein. Diese wird dann durch Pflasterstreifen fixiert.

Bei offenen Blasen, deren Haut durch die Reibung abgerissen ist, ist höchste Vorsicht angesagt. Normalerweise hat man zumindest eine kleine Infektion. Die Wunde (offene Blase) möglichst mit einem Desinfektionsspray reinigen (ersatzweise mit viel sauberem Wasser). Nach dem Trocknen die Blase durch Pflaster oder Wundauflage vor weiterer Infektion schützen. Evtl. ist auch eine entzündungshemmende Salbe (in jeder Apotheke am Jakobsweg erhältlich) sinnvoll. Gibt es schon eine größere Infektion (die Rötung breitet sich aus und die Schmerzen werden stärker) sollte man einen Arzt (Centro de Salud) aufsuchen. Evtl. muss man auch einige Tage mit dem Pilgern pausieren.

Bei Blasen in den untern Hautschichten, vor allem unter dickeren Hornhautpartien reicht die Fadenbehandlung oft nicht aus. Diese Blasen möglichst mit einer sterilen Blutlanzette oder einem kleinen Skalpell ein wenig aufschneiden. (Vorher natürlich die behandelnden Finger und die Blasenumgebung desinfizieren.) Der Schnitt sollte groß genug sein, damit die Wundflüssigkeit permanent austreten kann. Gleichzeitig muss der Schnitt aber auch so klein sein, dass es möglichst zu keiner Infektion durch eindringende Keime kommt. Nach dem Schnitt die Blase möglichst steril mit Pflaster oder Wundauflage abkleben.

Blasenpflaster haben ihre Tauglichkeit auf dem Jakobsweg nur bedingt unter Beweis gestellt. Bei einigen Pilgern (möglicherweise auch durch falsche Handhabung) führten sie durch den zusätzlichen Druck, den sie ausübten, zu weiteren oder größeren Blasen. Sehr nützlich (nach evtl. Fadenbehandlung) sind die größeren Blasenpflaster bei Blasen oder Scheuerstellen im mittleren und oberen Hackenbereich. Viele Wanderschuhe haben hier ihre „Achillesferse“ ;-). Zur Behandlung den Hackenbereich reinigen und trocknen und anschließend das Blasenpflaster aufkleben. Im Fersenbe-reich muss man das Pflaster immer noch mit zusätzlichen Pflasterstreifen fixieren, da es sonst nach einem langen Pilgertag verrutscht ist.


Nachwort

Alle diese Tipps sind von einem „Nichtmediziner“ geschrieben worden. Für Risiken und Nebenwirkungen können wir keine Gewähr übernehmen. Nach vielen Jahren auf dem Jakobsweg und vielen Blasen-Behandlungen bei Pilgern behaupten wir aber, dass diese Tipps und Tricks funktionieren. Lassen Sie sich nicht den Jakobsweg durch so eine ärgerliche Kleinigkeit wie eine Blase verderben. Die beste Blase ist natürlich die, die man nicht hat.

Also: Beugen Sie vor!

Gibt es dann doch eine Blase: sofort behandeln!

Sollte alles Vorbeugen nicht geholfen haben und trotz guter Behandlung der Blasen am Abend vorher quält Sie jeder Schritt, dann denken Sie daran:

No Pain No Glory! (Spruch auf einem am Jakobsweg erhältlichen T-Shirt)


Buen Camino